Foto: Dr. med. Ina Carolin EnnkerDr. med. Ina Carolin Ennker
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Zu den Seiten vonProf. Dr. med. J. EnnkerFacharzt für Chirurgie, Herzchirurgie, Thorax- und Kardio­vasku­larchirurgie, Gefäß­chirurgie

Presse

Am Herzen operieren nur Männer
Kaum Frauen in der Thoraxchirurgie/Traditionelle Vorurteile

Obwohl schon lange ebenso viele Frauen wie Männer ein Medizinstudium beginnen, gelingt es Ärztinnen nur selten, in verantwortungsvolle Positionen vorzudringen. Unter den Chefärzten, Oberärzten und Fachärzten sind Frauen in aller Regel in der Minderheit. Ganz besonders kraß ist dieses Mißverhältnis bei den Chirurgen, die sich an so kritische Organe wie das Herz, die Hauptschlagader oder die großen Lungengefäße wagen.

In Deutschland sind unter den 226 Chirurgen, die die Facharztbezeichnung "Herz-, Thorax- oder Thoraxkardiovaskularchirurgie" erworben haben, nur sechs Frauen. Das sind nicht einmal drei Prozent. Diese Zahlen nannte Ina Ennker, selbst Fachärztin und Oberärztin am Herzzentrum in Lahr/Baden, unlängst auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Thorax- Herz- und Gefäßchirurgie in Dresden.

Im vergangenen Jahr hat Frau Ennker Deutschlands Herzzentren befragt, um festzustellen, wie viele Frauen ohne Facharztbezeichnung in diesem Teilgebiet der Chirurgie arbeiten. Von den 78 Klinikleitern, die angeschrieben wurden, waren 66 bereit, entsprechende Angaben zu machen. Zwölf Chefärzte haben auch nach weiterem dreimaligen Anschreiben nicht geantwortet.

In den Fachabteilungen für Herz- und Thoraxchirurgie können derzeit 27 Frauen selbständig operieren. Es gibt nur eine Chefärztin und 19 Oberärztinnen. Zwar beschäftigt die Mehrzahl der Klinikleiter weibliche Nachwuchskräfte – insgesamt sind es 162 Assistenzärztinnen und Ärztinnen im Praktikum.

Das läßt nach Ansicht von Frau Ennker den Schluß zu, dass die überwiegende Zahl der Chefärzte der Ausbildung von Frauen positiv gegenübersteht. Dennoch sind die meisten Frauen allenfalls vorübergehend in der Herz- und Thoraxchirurgie tätig. Manche Chefs beklagen ausdrücklich, dass sich nur wenige Frauen ernsthaft darum bemühten, die Facharztausbildung abzuschließen.

Dies sei, so vermutet Frau Ennker, einerseits durch die besonders hohe Arbeitsbelastung im Fachgebiet zu erklären. Das gilt vor allem für Frauen mit Familie. Andererseits treffen die Ärztinnen immer noch auf Vorurteile, die schon im neunzehnten Jahrhundert als Argumente gegen Frauen in der Medizin vorgebracht wurden.

Im Zusammenhang mit der Umfrage stellten einige der Herzchirurgen ausdrücklich klar, sie könnten sich selbständige weibliche Operateure in ihrem Fachgebiet nicht vorstellen und hielten Frauen für diese Art von Anforderungen nicht geeignet. Frau Ennker äußerte die Vermutung, dass zu denjenigen, die ihre ablehnende Haltung offen zum Ausruck bringen, wohl auch noch einige der Chefs gehörten, die erst gar nicht auf die Umfrage geantwortet hätten.

Auf derartige Ressentiments haben die amerikanischen Chirurginnen inzwischen reagiert. In den Vereinigten Staaten wurde kürzlich die "Society of Woman in Thoracic Surgery" (WTS) gegründet, der bereits drei europäische Mitglieder angehören. Von der berufspolitischen Aktivität solcher Vereinigungen erwarten sich auch die hiesigen Herzchirurginnen eine Stärkung der Frauen in diesem Fachgebiet.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.05.1998

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Kontakt

E-Mail: ina.ennker(at)yahoo.de

Fachpresse

„An Unusual Team of Cardiothoracic Surgeons”

Chirurgie, Thorax- und Kardiovaskularchirurgie
E-Mail: ina.ennker@yahoo.de