Foto: Dr. med. Ina Carolin EnnkerDr. med. Ina Carolin Ennker
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Zu den Seiten vonProf. Dr. med. J. EnnkerFacharzt für Chirurgie, Herzchirurgie, Thorax- und Kardio­vasku­larchirurgie, Gefäß­chirurgie

Presse

Erfahrungen einer Herzchirurgin
In allen chirurgischen Bereichen hat "Frau" bewiesen, dass sie es kann

Von Dr. Ina Carolin Ennker

Warum Chirurgie? - Bereits im Altertum waren ärztlich und chirurgisch tätige Frauen bekannt. Mit der Einführung als akademisches Fach in Europa im 12. und 13. Jahrhundert und der Nichtzulassung von Frauen zum Studium nahm dies ein jähes Ende. Dies änderte sich erst 1908 mit der allgemeinen Zulassungsgenehmigung für Frauen.

Die Argumente vieler Professoren um 1872 gegen weibliche Ärzte waren Mangel an physischer Ausdauer und Widerstandskraft, geringere Hirnkapazität, frauenspezifische, emotionale Natur und Wirkung auf männliche Studenten, die Argumente gegen weibliche Chirurgen fehlende Kraft und mangelnde Ausdauer.

Obwohl mittlerweile in Deutschland mehr Frauen als Männer ein Medizinstudium beginnen, beenden viele Ärztinnen ihre weitere Ausbildung ohne einen Facharztabschluss. Unter den Chefärzten und Oberärzten sind Frauen deutlich in der Minderheit. Besonders auffällig ist dies im Fachgebiet Chirurgie. In der Allgemeinchirurgie betrug 1930 der Anteil der Chirurginnen zwei Prozent, 1956 waren es 3,1 Prozent. 40 Jahre später (1996) betrug der Anteil weiblicher Chirurgen 11,8 Prozent (1526 im Vergleich zu 11413 männlichen) und im Jahr 2000 bereits 14,1 Prozent (es gab 1919 weibliche und 11731 männliche Chirurgen).

Einen Überblick über die Entwicklung des Anteil der Chirurginnen, auch im Bereich der Herz-Thoraxcardiovaskularchirurgie gibt die Tabelle:

Jahr

Chirurginnen/ berufstätig

Thor.Kard./ berufstätig

Herz-
chirurginnen/ berufstätig

Thorax-
chirurginnen/ berufstätig

1980

357/248
(69,5%)

 

 

 

1985

481/345
(71,7%)

 

 

 

1990

662/486
(73,4%)

1/1
(100%)

 

 

1995

1526/1215
(79,6%)

2/2
(100%)

1/1
(100%)

2/2
(100%)

2000

1919/1498
(78,1%)

8/5
(62,5%)

15/15
(100%)

12/11
(92,0%)

Quelle: Bundesärztekammer 2000: Die Zahl der Chirurginnen hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten kontinuierlich zugenommen, auch der Anteil derer, die ihren Beruf auch ausüben. Im Bereich der Herz-Thoraxcardiovaskularchirurgie sind Frauen allerdings noch immer eine Seltenheit.

1997 wurde eine Umfrage an alle Klinikleiter bezüglich des weiblichen Ärztestandes in der Thorax- und Kardiovaskular-Chirurgie gestartet. Es zeigte sich eine überwiegend positive Einstellung der Klinikleiter hinsichtlich weiblicher Herzchirurgen. Viele Klinikleiter möchten mehr Frauen ausbilden, aber es gibt kaum Bewerbungen, und wenige ziehen die Ausbildung bis zum Schluss durch. Nichtsdestotrotz existieren Gegenmeinungen wie:"unvorstellbar in dem Fachgebiet", "ungeeignet für die enormen Anforderungen", und "insbesondere bei einem Überangebot von ausgebildeten Herzchirurgen lohnt eine Ausbildung nur bei höchst belastbaren Individuen." Diese sicherlich nicht gerade ermutigenden Kommentare sind glücklicherweise in der Minderheit.

Meine Bewerbung für das Fach Chirurgie im Jahr 1984 fiel in eine Zeit, in der nur gut sechs Prozent aller ausgebildeten Chirurgen weiblich waren. Damals war es die absolute Ausnahme, dass Frauen wirklich im chirurgischen Bereich tätig waren, besonders in leitenden Positionen. Herz-, Thorax- und Gefäßchirurginnen gab es zu diesem Zeitpunkt überhaupt keine. Die erste ausgebildete Kollegin in der Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie gibt es erst seit 1989. 1999 betrug der Prozentsatz der ausgebildeten Herz-, Thorax- und Gefäßchirurginnen sechs Prozent, von denen aber nur 4,3 Prozent - in ganzen Zahlen 5 Kolleginnen - berufstätig waren.

Meine Berufsausbildung habe ich mit der absoluten Überzeugung begonnen, dass ich genauso gut geeignet bin wie meine männliche Kollegen. Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich aufgrund meiner Geschlechtszugehörigkeit benachrichtigt wurde. Sicherlich musste ich als Frau gerade zu Beginn, als man noch als Exot galt, härter arbeiten und durfte mir weniger Fehler erlauben. In der Medizinischen Hochschule Hannover war ich die erste Frau, die diese Facharztausbildung zu Ende brachte, dann eigenständig operierte und eine Position als Oberärztin innehatte.

Wichtig ist, dass es Rollenmodelle nicht nur für die Chirurginnen, sondern auch für die Chefs und Ausbilder gibt. Die Frau meines ersten Chefs ist Pilotin, die meines zweiten Chefärztin und Mutter von fünf Töchtern, mein dritter Chef hat von einer Oberärztin das Operieren gelernt. Das sind sicher gute Voraussetzungen für weibliche Chirurgen.

Des Weiteren braucht eine Frau in diesem Fachbereich ein wohlmeinendes Umfeld: beruflich und privat. Unter günstigen Bedingungen und mit etwas Glück ist es dann auch möglich, eine befriedigende Berufsausübung und eine Familie zu verbinden. Es stellt sich also der Berufsanfängerin das Problem, die richtige Klinik und den richtigen Chef zu finden. Hat man eine Weiterbildungsstelle gefunden und merkt, dass das Fach einem liegt, steht einem erfolgreichen Facharztabschluss "Ärztin für Chirurgie" oder für die Teilgebiete nicht mehr viel entgegen.

Die Zeit ist heute denkbar günstig, zumal in allen chirurgischen Bereichen "Frau" bewiesen hat, dass sie es erfolg-reich kann. Zum anderen fehlen derzeit etwa 40000 klinikwillige Ärzte, insbesondere in den als besonders arbeitsintensiv verschrieenen Fächern. "Frau" sollte die Gelegenheit nutzen.

Vieles darf nicht persönlich genommen werden, was einem im Klinikalltag widerfährt, auch männliche Kollegen werden nicht immer gerecht behandelt. Ebenso kann man keine Sonderbehandlung erwarten.

Für eine Chirurgin mit Familienwunsch gehört viel Organisation, Disziplin und Verzicht dazu, beide Bereiche zu verbinden. Ein verständnisvoller unterstützender Partner ist Grundvoraussetzung. Viel Zeit für Hobbys und außerfamiliäre private Aktivitäten bleiben einer Chirurgin mit Familie sicherlich nicht. Mir hat mein Beruf aber immer viel Spaß und Freude bereitet, und ich würde ihn sicher wieder ergreifen, wenn ich nochmal die Wahl hätte.

In unserer Abteilung sind von derzeit 23 Mitarbeitern mittlerweile sieben weiblich, vier davon haben Kinder. Zwei Kolleginnen sind als Oberärztinnen tätig, vier stehen kurz vor dem Facharztabschluss und eine Kollegin ist im zweiten Ausbildungsjahr. Sicher zeigt dies, dass zunehmend mehr Frauen in unserem Fach nicht mehr auf Beruf und Familie verzichten wollen und dass beides sehr wohl möglich ist. Eine Verbesserung der Rahmenbedingungen ist durch das Arbeitszeitschutzgesetz schon gegeben. Die Chancengleichkeit ist im Vergleich zu früher sicherlich besser, wenn auch noch nicht vollständig erreicht, besonders für Chirurginnen mit Kindern. Eine erhöhte gesellschaftliche Akzeptanz von berufstätigen Müttern in anspruchsvollen Bereichen und der damit verbundenen Fremdbetreuung von Kindern ist wünschenswert.

Quelle: Ärztin - Zeitschrift des Deutschen Ärztinnenbundes e.V.
49. Jahrgang - November 2002 - S. 14-15

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Kontakt

E-Mail: ina.ennker(at)yahoo.de

Fachpresse

„An Unusual Team of Cardiothoracic Surgeons”

Chirurgie, Thorax- und Kardiovaskularchirurgie
E-Mail: ina.ennker@yahoo.de