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Risikofaktoren früh genug ausschalten
Herz-Kreislauferkrankungen bei Frauen häufiger
Mehr als 130000 Frauen erleiden jährlich in Deutschland einen Herzinfarkt. Mehr als die Hälfte der Betroffenen überleben diesen ersten Infarkt unter anderem deshalb nicht, weil sie die Anzeichen nicht ernst genommen oder verdrängt haben.
Morgen Abend wird eine Spezialistin im Bürgersaal in Achern zu dem Thema "Schlagen Frauenherzen anders? Koronare Herzkrankheiten und Herzinfarkt bei Frauen: Das unterschätzte Risiko" sprechen. Referentin ist die Oberärztin Dr. med. Ina Carolin Ennker, die als Fachärztin für Chirurgie, Thorax- und Kardiovaskularchirurgie im Herzzentrum Lahr arbeitet. Die Achern-Rench-Zeitung fragt nach:
In der Liebe sollen ja Herzen bekanntlich anders schlagen als im Alltag. Ist ein Unterschied auch zwischen Frauen- und Männerherzen auszumachen?
Ina-Carolin Ennker: Es gibt schon Unterschiede, nur sehen die natürlich anders als in der Liebe aus. Einige Beispiele: Bei Frauen setzt die Erkrankung zehn bis zwanzig Jahre später als bei Männern ein. Damit sieht es so aus, dass vor der Menopause ein Herzinfarkt eher selten vorkommt. Auch sind Frauenherzen bei schlechter Funktion weniger anpassungsfähig. Unterschiede betreffen auch die Zellstrukturen bei Verkalkungen. Spezielle Tests sind bei Frauen weniger aussagefähig. Frauen werden auch weniger untersucht, herzkathetert und operiert. Generell sind sogar die Symptome bei Frauen anders als bei Männern. Trotzdem steht aber leider fest, dass bei Frauen häufiger als bei Männern Herz-Kreislauferkrankungen auftreten.
Wie ernst nehmen Sie es selber mit der Vorsorge?
Ina-Carolin Ennker: Ich gehe alle ein bis zwei Jahre zum Echo und zum Belastungs-EKG, Laboruntersuchungen lasse ich jährlich vornehmen.
Die Veranstaltung kam in Zusammenarbeit mit der Deutschen Herzstiftung, Regionalverband Südbaden, zustande. Welche Partner gibt es noch?
Ina-Carolin Ennker: Leider nicht so viele. Über Brustkrebs wird sehr viel mehr und organisierter informiert. Es gibt eine Reihe guter Fachbücher für Patienten. Ansonsten muss die Aufklärung über Medien und Ärzte erfolgen.
Wie merkt man nun, ob das Herz "anders" schlägt? Nur durch einen anderen Rhythmus?
Ina-Carolin Ennker: Ein großes Problem ist, dass die Veränderungen oft schleichend sind und nicht als solche erkannt werden. Ein Alarmzeichen ist die abnehmende Belastbarkeit. Es kann sich Luftnot zunächst unter Belastung, z. B. beim Treppensteigen, und später auch in Ruhe zeigen. Fernen können Übelkeit, Erbrechen, Sodbrennen und Oberbauchbeschwerden Hinweise geben. Rhythmusstörungen und Herzstolpern werden in der Regel sofort registriert.
Können Sie Vergleichszahlen nennen?
Ina-Carolin Ennker: Ja und die Zahlen sind sowohl für Männer als auch für Frauen erschreckend. 2001 sind am akuten Myokardinfarkt (Herzinfarkt) 35473 Männer und 29755 Frauen gestorben. An einer chronisch ischämischen Herzerkrankung (chronische Minderdurchblutung) verstarben 38058 Männer und 54722 Frauen und aufgrund einer Herzinsuffizienz 17828 Männer und 38973 Frauen.
Vor Krebs hat jeder Angst und es scheint, als würde hier die Fürsorge ernst genommen. Warum ist das bei Herz- und Kreislaufbeschwerden nicht der Fall?
Ina-Carolin Ennker: Es ist sicher die Unwissenheit um die Erkrankung, um deren Beginn und Verlauf, aber auch das Unwissen, was man dagegen tun kann. Auch heute ist die Meinung, Herzinfarkt sei was für Männer und Manager, noch weit verbreitet. Und da der Beginn der Erkrankung meist schleichend ist, werden die allmählichen Veränderungen zu Beginn nicht als solche wahr- bzw. ernst genommen.
Vorbeugen ist ja bekanntlich besser als heilen. Was kann man selbst tun?
Ina-Carolin Ennker: Man sollte vor allem so viel Risikofaktoren wie möglich ausschalten. Das heißt, dass man den Blutdruck einstellen lässt, dass man sein Normalgewicht anstrebt, dass man Fettstoffwechselstörungen und Zuckererkrankungen behandelt. Viel kann da schon mit mehr Bewegung und dem Verzicht auf Nikotin erreicht werden.
Quelle: Andrea Siegmund in: Acher-Rench-Zeitung 03/2004

