Wege für die Gesundheit
"Klinikführer Ortenau" startet
Die Ortenau möchte in der Gesundheitswirtschaft neue Konzepte ausprobieren. Qualität, Innovation und Patienteninformation sind die Punkte, an denen Dirk Sauerland, Rektor der Wissenschaftlichen Hochschule Lahr (WHL), ansetzen will.
Momentan werden Informationen über möglichst alle Projekte und Angebote im Gesundheitswesen gesammelt. "Wie ist der Status quo?", fragt der Lehrstuhlinhaber für Volkswirtschaftslehre/Gesundheits- und Institutionenökonomik. Alle Akteure sollen zusammengebracht werden, um Anknüpfungspunkte für mehr Effizienz, Qualität und Innovation zu finden.
Ein konkretes Projekt ist der "Klinikführer Ortenau" der WHL zur Erhöhung der Transparenz für den Patienten. Auf freiwilliger Basis sollen die Kliniken des Landkreises hier Qualitätsdaten veröffentlichen, erklärt Sauerland. Mit den Daten, die von Gesetzes wegen preisgegeben werden müssen, kann der Patient seines Erachtens nichts anfangen, da ihm die Vergleichsmöglichkeiten fehlen würden. Wer sich am "Klinikführer Ortenau" beteiligt, kann nach Ansicht von Dirk Sauerland Marktanteile gewinnen. "Wer nicht veröffentlicht, steht nicht in der Qualitätsvermutung", sagt er.
Derartige Informationen werden von Betroffenen immer mehr nachgefragt, bestätigt Jürgen Ennker, Chefarzt des Medi-Clin Herzzentrums in Lahr. Seine Klinik habe als erste in Deutschland bereits 1996 Behandlungsergebnisse publiziert, im Internet nachlesbar für jedermann, und sich damit einen Namen erarbeitet. Die 192 Seiten starke Dokumentation würde Spitzenergebnisse ausweisen. "Hunderte von Patienten reisen jedes Jahr Hunderte von Kilometern an, um sich bei uns operieren zu lassen", sagt er.
Aktion "Gesundes Kinzigtal"
Als Leuchtturmprojekt bezeichnet Sauerland die Aktion "Gesundes Kinzigtal", bei der sich beispielsweise die Entlohnung der Ärzte stärker an Präventionsmaßnahmen ausrichtet. Generell ist ihm die Wandlung des Gesundheitswesens vom "Reparaturbetrieb" hin zu vorbeugenden Maßnahmen wichtig. "Wie können wir die lokale Wirtschaft mit Gesundheitsprojekten unterstützen?", ist für den Rektor daher eine ganz wichtige Frage.
Work-life-balance bei Burda
Intensiv beschäftigt sich Hubert Burda Media mit diesem Thema und rief eine Initiative Work-life-balance ins Leben, berichtet Personalchef Kai Burr. Dies sei zum einen ein wichtiges Argument zur Gewinnung von Mitarbeitern, zum anderen sei es ein Anliegen des Unternehmens, dass die Beschäftigten gesund bleiben. Burda habe daher schon in den Fünfzigern eine eigene Betriebskrankenkasse gegründet und biete auch im Burda Sportklub zahlreiche Aktivitäten an. "Sport verbindet einfach", sagt Burr. Bei "Burda läuft" im Münchener Olympiastadion waren 300 Teilnehmer dabei.
Mit der Universität Gießen bietet Burda einen vierstündigen Gesundheitscheck für alle Mitarbeiter an. Die Kosten von etwa 120 Euro teilen sich Arbeitnehmer, Betriebskrankenkasse und Burda. An den Gesundheitscheck schließt sich gegebenenfalls eine zwölfwöchige Sportund Ernährungsberatung an. In diesen drei Monaten haben die Teilnehmer im Durchschnitt fünf Zentimeter Bauchumfang verloren. Zu den weiteren Gesundheitsaktivitäten von Burda zählen beispielsweise Gesundheitstage und Hautkrebsuntersuchungen.
Stolz ist Kai Burr darauf, dass Burda zum Netzwerk "Unternehmen für Gesundheit" gehört. Zu diesem haben sich seinen Angaben nach etwa 25 große deutsche Adressen wie Airbus, Deutsche Bank und Volkswagen zusammengeschlossen. Aufgenommen würden nur Mitglieder, die allen anderen einen Mehrwert bieten.
Und Burda ist schließlich ein Medienkonzern. "Wir erstellen jeden Monat über 300 redaktionelle Seiten zum Thema Gesundheit", sagt Burr. So wurde die Idee für das Magazin "My Life - Lust auf ein gesünderes Leben" geboren, das künftig vierteljährlich erscheinen soll.
Quelle:
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 19.09.2008
Wirtschaftsregion Offenburg/Ortenau




