Erscheinungsort: | Jahresbericht 1999, Herzzentrum Lahr/Baden, Lahr, 2000, Seite:34-35 |
Inhalt: | Biologische Aortenklappenprothesen bieten im Vergleich zu mechanischen Herzklappen den Vorteil, dass keine Antikoagulation, die mit Komplikationen wie Thromboembolien und Blutungen einhergeht, erforderlich ist. Jedoch zeigen die konventionellen Bioprothesen eine limitierte Lebensdauer, da es häufig zu mechanischen Beschädigungen der Prothese im Stentbereich kommt.
Die Suche nach einer idealen Prothese führte zur Entwicklung von gerüstlosen Bioprothesen. Vergleicht man gerüstlose und konventionelle Bioprothesen mit gleichem Aussendurchmesser, so bewirkt das Wegfallen des Klappengerüsts einen grösseren Innendurchmesser. Die daraus resultierende grössere Klappenöffnungsfläche beeinflusst die postoperativen linksventrikulären Funktionsparameter positiv und steigert damit die Lebensqualität des Patienten.
Vom 1. April 1996 bis 31. Dezember 1999 wurden 376 Patienten mit einer Bioprothese in Aortenposition versorgt. 229 Patienten erhielten einen Aortenklappenersatz mit einer Medtronic Freestyle Prothese, wobei davon an 98 gleichzeitig eine koronare Revaskularisation durchgeführt wurde. Bei 147 Patienten wurde die Aortenklappen durch eine konventionelle Bioklappe (Mosaic oder Hancock der Firma Medtronic) ersetzt, wobei davon ebenfalls 72 Patienten einen aortokoronaren Bypass erhielten.
Die Altersverteilung in beiden Gruppen mit unterschiedlichen Prothesen war annähernd gleich. Das Durchschnittsalter betrug für die Freestyle-Prothesen 74,5 Jahre und für die Prothesen mit Stent 75,3 Jahre.
Die Implantation der Freestyle-Prothese wurde von vier verschiedenen Chirurgen unter Verwendung derselben Implantationtechnik durchgeführt. Da sie chirurgisch anspruchsvoller ist, würde man verlängerte Aortenabklemm-, Bypass- und Operationszeiten erwarten. Die intraoperativen Daten (Abb. 2) zeigen jedoch, dass weder die Zeiten für die Implantation der Freestyle-Klappe im Vergleich zu den konventionellen Bioprothesen noch die Zeiten für die zusätzliche Revaskularisation bei beiden Aortenprothesen signifikant verschieden sind.
Die 30-Tage-Letalität betrug für die Freestyle-Implantation 5 % und mit gleichzeitiger Revaskularisation 3 %. Für Patienten, die eine konventionelle Bioprothese erhielten, war die operative Letalität 5 % für den isolierten Klappenersatz und 11 % für kombinierte Eingriffe. Der Beobachtungszeitraum betrug 9,5 ± 10,5 Monate.
Die Überlebensraten für die Freestyle-Prothese mit und ohne Revaskularisation waren nach einem Jahr 90 ± 3 %, was durchaus mit Angaben aus anderen Freestyle-Studien mit grossen Patientenzahlen vergleichbar ist (Yun et al., 1999; Westaby et al., 1988).
Die Überlebenszeiten für Patienten mit Freestyle-Klappen mit und ohne Revaskularisation und für Patienten mit isolierten Klappenersatz durch konventionellen Bioprothesen zeigten keine signifikanten Unterschiede. Die Überlebensraten für Patienten mit konventionellen Aortenklappen und gleichzeitiger Myokardrevaskularisation war deutlich niedriger als in den anderen drei Gruppen. |